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Viele Paare beschreiben ihre Beziehung in etwa so: „Wir verstehen uns eigentlich sehr gut, im Alltag sind wir ein richtig gut funktionierendes Team, wir erziehen unsere Kinder meistens in Übereinstimmung und in den wichtigen Dingen sind wir uns einig.“ Im Verlauf des Gesprächs wird klar, um was es eigentlich geht: „Aber Meinungsverschiedenheiten können wir nicht gut regeln. Streitgespräche eskalieren dann, wir finden einfach keinen gemeinsamen Nenner mehr, eine Lösung ist nicht in Sicht.“
Und dann sind sich beide einig: „ Unsere Kommunikation ist einfach schlecht, es kommt zu Missverständnissen. Unsere Gespräche drehen sich im Kreis.“
Oft wird dann empfunden, dass es besser wäre, die eigene Position oder Meinung nicht mehr auszudrücken – drastisch formuliert: „Wenn ich den Mund halten könnte, hätten wir kein Beziehungsproblem.“
Diese Aussage kann natürlich ironisch oder sarkastisch und anklagend sein, aber überraschenderweise ist sie häufig sehr ehrlich gemeint: „Wenn ich meine Gefühle mehr zurückhalten könnte, wäre unsere Beziehung harmonischer, die Dinge, um die wir streiten sind doch meistens gar nicht so wichtig.“

Bei näherer Betrachtung haben Paare häufig das Gefühl, dass die Themen, um die gestritten werden, tatsächlich keine große Bedeutung haben. Und trotzdem wird gestritten – aber um was?
Um die Bedeutung des Gefühls, dass in dieser Meinungsverschiedenheit hervorgerufen wird. Heftig wird versucht, dem Konflikt argumentativ beizukommen und immer mehr negative Gefühle bestimmen das Gespräch. Hilflosigkeit, Ärger, sich unverstanden fühlen, immer größer werdende Distanz führen zu messerscharf ausgeführten Argumenten, zu Angriff und Verteidigung.
Schon beim Zuhören wird die Verteidigungsstrategie gebildet, kaum hat der Partner ausgeredet wird diese detailliert vorgebracht…

Ein negatives Gefühl des Beziehungspartners auszuhalten, verlangt uns anscheinend viel ab: Er oder Sie ist verletzt, gekränkt oder wütend. Reflexartig die Verteidigung: Ich bin doch nicht schuld an deinem Gefühl, du verstehst mich falsch!
Beim Partner kommt an: Mein Gefühl ist falsch, ich darf nicht empfinden, was ich empfinde! Verteidigung: Selbstverständlich ist richtig, was ich fühle, du hast ja schließlich…

Genau! Bei einem Streit geht es immer um Gefühle, nicht um Argumente.
Beziehungspartner rufen nun einmal nicht nur positive Gefühle beieinander hervor. Aber anscheinend ist es genau das, was wir ständig brauchen – das Gefühl, den anderen glücklich zu machen.

Vertrauen in einer Beziehung bedeutet auch, darauf zu vertrauen zu können, dass die eigenen Gefühle beim Partner gut aufgehoben sind. Nicht nur die positiven, auch die negativen.
Warum fällt es so schwer, zu bedauern, dass es dem Partner jetzt nicht gut geht?
Es geht nicht darum, die gleiche Meinung zu haben, es geht darum, zu verstehen, was der Partner empfindet.

„Es tut mir leid, dass du jetzt so wütend bist. Kannst du mir erzählen, um was es dir geht?“ – Das wäre ein Anfang.